Salut zusammen, die letzten Wochen waren von extremen Gefühlen geprägt. Es wird wahrscheinlich ein etwas längerer Eintrag werden …
Der Montag und Dienstag waren geprägt vom Lernen auf die Records-Management-Prüfung. Allmählich kam ich wirklich an meine Grenzen! Seit Dezember 09 lernte ich nun hierfür … Allmählich kannte ich alles auswendig, doch ich war noch lange nicht da, wo ich sein wollte. Am Sonntag hatte ich einen Probetest ausgearbeitet. Diesen arbeitete ich am 2. Lerntag durch. Am Extremsten wurde der Mittwoch! Man hatte mir zwar versichert, dass der Leitfaden für den Projektkurs am Kleinsten der ganzen Arbeit sei. Nun gut, dennoch war er 90 Seiten lang. Ich musste ihn ebenfalls durchlesen und die Rechtschreibung korrigieren. Nach 8 Stunden lesen war ich beinahe “dure bi Rot”!!
Donnerstags dann die Projektpräsentation. Wir trugen alles vor, die Schwierigkeiten blieben zum Glück unerwähnt. Der Dozent sagte mir lediglich zwischen Nüsschen und Wein, er wolle nochmals mit mir sprechen wegen des Wahrnehmungsproblems und der Bewertung des Kurses. Ich war schockiert! Ich wusste nicht, was er von mir noch wollte – es war doch alles geklärt. Ich konnte nicht mehr!! In diesem Zustand rief ich zu Hause an. Ich wollte Mutter sagen, was sie noch mitnehmen sollte fürs Skiweekend. Doch nun war es Vater, der mir sie partout nicht ans Telefon geben wollte. Grund: Sie hatten zu Hause Besuch und Mutter musste “unterhalten”. Es war zuviel und ich schrie Vater an wie schon seit Jahren nicht mehr. Ich entschuldigte mich hernach bei ihm. Als ich ihm sagte, wie es um mich stehe, gab er mir dann schlussendlich doch Mutter ans Telefon … Danach der nächste Konflikt: Einer unsere Jungen im Lehrlingshaus hatte es geschafft, die Wäsche nicht aus der Maschine zu nehmen. So musste ich sie, sobald die Waschzeit zu Ende war und weil der Wäschekorb schon voll war, auf den Boden werfen. Weil er auch am Lernen war rastete er vor mir komplett aus und behauptete, ich hätte auf seine Kosten gewaschen. Ich tat, was ich in solchen Fällen immer tue: Schweigen und hernach nochmals zum betreffenden Studenten gehen und reden. Wieder mal bewährte sich diese Strategie und wir konnten Frieden schliessen. Doch für diesen Abend hatte ich genug!
Am Freitag noch ein paar administrative Arbeiten und Samstags die Fahrt nach Scuol ins Skiweekend. Weil ich Prüfungswochen hatte nahm ich ein Einzelzimmer. Meinen Eltern und vor allem meinem Bruder, der mit mir im Zweierzimmer hätte schlafen sollen, wollte dies einfach nicht in den Kopf! Ansonsten verbrachte ich aber wirklich schöne Tage mit Bad, Skipiste und herrlichem Abendessen. Wahrlich, das Hotel Traube in Scuol gefällt mir immer wieder! Toller Service, herrliche Zimmer und fantastisches Essen!!
Montags reiste ich retour und um 14.00 stand das Kontrolltraining im Body Plaza an. Mein Fettgehalt war wieder etwas rauf, kein Wunder bei all dem Essen in den Ferien! Danach folgte noch der Leistungsnachweis in Media Design – die Gestaltung einer Homepage mit einer wissenschaftlichen Arbeit. Dies war auch nicht ganz einfach und beanspruchte einen Tag. Donnerstags dann die Besprechung mit dem Dozenten für PK. Er gibt mir nun einfach eine 4.0 auf Grund der Prozentanteile, die ich gearbeitet hatte. Niemand wollte mir sagen, wie hoch dieser Anteil war. Mal wieder schweigen und aufs Maul hocken! Dafür installierte ich am Freitag eine Open-Source-Zeiterfassungssoftware. Ich wusste warum … Doch zurück! An diesem Tag auch die Prüfung für Records Management. Es ging sehr gut, ich hatte eine unerklärliche Energie in mir. Woher sie kam, sollte ich am Abend erfahren.
Am Donnerstag Abend rief mich Mutter an und sagte mir, dass meine Grosstante in Chur verstorben sei. Mich haute es um! Da hatte ich noch vorher mit der Klasse Kaffee getrunken und innerlich gejubelt, weil die Tests nun durch waren. Und nun das! Nach all dem Trubel kam ich aber nun zur Besinnung. Ich nahm mich selber wahr wie schon lange nicht mehr: Mein Atem, mein Körper, meine Stimmung. Ich beschloss, den TV auszuschalten und einen Satz Rosenkranz (den einzigen, den ich kenne) zu beten. Für Fachleute: “Der, der mit Dornen gekrönt wurde”. Ich wusste, es war gut so, dass sie gestorben war. All das Leiden, der langsam alternde Körper und ihre Angst vor dem Tod … Es war gut, dass sie gehen durfte ohne allzu grosse Schmerzen. Ich mochte sie sehr. Als es mir im 1. Semester schlecht ging, war ich bei ihr stets willkommen. Ich konnte reden und abladen. Wie sehr schmerzte und schmerzt mich dieser Verlust!
Freitags dann die Beerdigung. Eine Frau Pfarrer mit Hippiefrisur hielt die reformierte Andacht – wie geschmacklos! War dies das Leben meiner Grosstante gewesen? Hippie, cool und fesch? Nein, alles andere als das. Wenn ich mich also nicht aufregte lauschte ich den wirklich schönen Worten der Frau Pfarrerin, kondolierte meinem Grossonkel und ging an ihr Grab. Doch es sollte noch schlimmer kommen! Die Eltern fuhren retour in die Skiferien. Am Samstag reisten wir alle zusammen nach Hause – Mutter jedoch krank. Sie hatte diesen Stimmungswandel, verbunden mit einem grässlichen Fischgericht am Vorabend, nicht verdaut. Folge: Magendarmgrippe. Als wir in Zürich umstiegen und Mutter sich übergeben musste, sah uns zu allem Überdruss auch noch mein Dozent für Information Retrieval. Wie peinlich! Irgendwie schafften wir es nach Hause.
Zu Hause musste ich die Erledigung der Wäsche übernehmen, Vater kochte dafür am Sonntag. Nun müssen wir den Haushalt schmeissen und können längst nicht alles erfüllen, was Mutter möchte. Heute wollte sie z.B., dass ich für sie Unterschriften sammeln ging. Daneben machte ich freiwillig die Wäsche und säuberte zwei Stockwerke mit dem Staubsauger. Daneben sollte ich heute um 19.00 mit Vater in die Lichtmesse. Die Messe musste ich sausen lassen, das hier war mir wichtiger. Irgendwo musste ich mich einfach mal abgrenzen! Fazit: Trotz Ferien nur wenig Erholung. Hoffe, dass Mutter bald gesund wird. Denn unter dieser Mehrbelastung – Haushalt, z.T. noch Schularbeiten etc. gehe ich beinahe drauf! Bis bald dann wieder, es kommen sicher wieder bessere Zeiten.