Nach Bath nun also London. Eine aeusserst aufregende und spannende Zeit.
Mit dem Zug fahre ich nach London. Es regnet in Stroemen, so wie es nur in England regnen kann! Auf Hoehe Swindon dann die erheiternde Durchsage, dass die Schienen vor uns ueberschwemmt sind. Von meiner letztjaehringen Reise nach Oxford weiss ich, was dies heissen kann. Im Kopf gehe ich bereits das ganze Katastrophenszenario durch – Hotel umbuchen auf eine Jugi in Swindon, etc. Angekommen in London suche ich zuerst eine Weile die Jugi, zum Glueck ist mir eine Verkehrspolizistin sehr behilflich. Im Clink-Hostel dann der grosse Schreck: Ich bin einen Tag zu frueh angekommen, respektive habe nicht richtig gebucht. Mit Glueck ist noch ein Bett frei! Diese Jugi ist echt was besonderes! Ein ehemaliges Gerichtsgebaeude, jetzt umfunktioniert. Momentan sitze ich gerade im ehemaligen Gerichtssaal am Richtertisch und schreibe hier, evtl. chille ich nachher noch im TV-Gerichtsraum. Kueche (gratis all-you-can-eat-breakfast), toller Schlafsaal (10 Personen, davon ein dunkelhaeutiger, der schnarcht …), generell aber wirklich gut – sehr gut!
Am Donnerstag dann zuerst Harrods-Kaufhaus. Ich werde noch verrueckt!! Das ganze Kaufhaus ist so auf edel gemacht. Je weiter hoch ins Kaufhaus ich gehe, desto mehr erschrecke ich! CD- und DVD-Abteilung mit rund 100 – 200 Discs ist ja schon mal gestoert. Am Schlimmsten jedoch die Kinderabteilung. Leute, die haben fuer Kinder einen Coiffeur, drei Restaurants (Kindergerecht mit kleinen Stuehlchen) und eine riesige Spielzeugabteilung. Das ist wirklich nicht mehr normal, von einem Ende der Spielzeugreviers kann ich nicht mehr ans Andere sehen. Ich glaube, als Kind wuerde ich hier einen Knacks kriegen. Aber auch viel positives, so etwa sehe ich meine ersten Schuluniformen und kaufe diverse Sachen ein, u.a. eine wirklich billige und gutgebaute Butterdose fuer Chur.
Am Freitag erkunde ich den Einstiegsort fuer den Eurostar. Ein Riesenglueck! Ich erfahre, dass dieser naemlich nicht mehr in der Waterloo-Station, sondern in St. Pancras International. Die beiden Punkte liegen voellig an verschiedenen Orten in London, waere mir dies morgen geschehen, ich haette den Zug garantiert sicher verpasst!! Der neue Check-In-Point ist fuer mich aber sehr positiv, so muss ich nur 15 Minuten marschieren. So wie ich mich und London kenne, rechne ich mit dem Check-In aber lieber eine Stunde ein. Am Nachmittag eine mega-coole Stadtfuehrung mit Sandemans newLondon-tours. Der Guide macht es wirklich genial, ich erfahre viel mehr als je zuvor.
Heute besuchte ich meine ehemalige Landlady hier in Tunbridge Wells. Zunaechst einmal verpasste ich den Zug zu ihr, weil die naheliegende U-Bahnstation geschlossen war. Dies war jedoch nicht gar so schlimm, es wurde abends einfach ein wenig spaeter … Wir fuhren zusammen nach Paenshurst, wo wir einen herrlichen Creamtea tranken. Meine Landlady haelt mir einen recht grossen Vortrag zu illegalen Auslaendern, den diversen Gesellschaftsschichten hier in England und zur Sicherheitslage in London allgemein. Ihrer Meinung nach sollten die Imigranten schon an der Grenze gestoppt und die hier lebenden allesamt in ein Boot verfrachtet und zurueckverschifft werden – hier insbesondere die (stinkenden!!) dunkelhaeutigen Landsmitglieder. Ich halte mich politisch gesehen zurueck im Blog, das habe ich mir geschworen, nur so viel: Seit ich an der HTW Chur Info-Wissenschaften studiere, bin ich an „einfachen“ Loesungen schlichtweg nicht mehr interessiert. Wer mehr erfahren will, quatsche mich mal am Stammtisch aus.
Schon bald ist mein London-Aufenthalt zu Ende. Doch noch kurz ein paar Worte zu meinem Ausgehverhalten. Am Freitag las ich, dass in London innert 48 Stunden 4 Jugendliche erstochen worden waren. Meine Landlady riet mir ab, in London auszugehen, sobald es dunkel ist. Ich befolge ihren Rat bis zum heutigen Abend, denn ich denke, gerade als Auslaender, muss man das Risiko nicht unnoetig herausfordern. Warum ist aber gerade dann die Stadt so herrlich und verlockend, wenn man sich bitterlichst vorgenommen hat, nicht mehr rauszugehen …? Ich denke aber, dass ich nicht mehr weich werde. Ihr werdet sicher naechste Woche wieder lesen, wie es bei mir weiterging … Bis dann und good night.