Le Charme de Paris

Juli 17, 2008

Es wurde ein relativ trister Samstagabend, aber trotzdem war mir wohler.

Sonntags dann kurzes Fruehstueck und Verschiebung zum Eurostar mit einem neugewonnenen Freund in der Jugi. Die Fahrt ist schlichtweg genial, ich kann ja nochmals 1. Klasse fahren, weil mir letztes Jahr in London die Elektrik ausgestiegen war. So bekomme ich gratis und franko ein Wahnsinnsessen, 3 Gaenge super gekocht. Um schnell und billig zu reisen, liebe Freunde, ueberhaupt kein Problem … Kaum in Paris angekommen der erste Schock: Die Jugi ist schlichtweg eine Bruchbude in einem abgefackten Quartier. Ich sage euch, dies ist nicht mehr normal. Mehr dazu aber spaeter. Am gleichen Abend grosses Dancen auf dem Place de la Bastille, der Vorabend zum Nationalfeiertag. Ich dance ab was ich kann, es ist echt herrlich! Als mir die Elektrobaesse zu bloede werden, verschwinde ich wieder.

Am Montag schlafe ich zuerst mal lange aus und bekomme das Fruehstueck aus der Tuete, respektive dem Tiefkuehler. Man schmeckt es, einfach graesslich. Danach, nach einer kurzen Dusche (dieser abbroeckelnde Verputz nervt mich!) dann ab zum Dome des Invalides. Vor diesem ist die ganze Strasse gesperrt fuer eine Militaerdemo. Absolut genial, diese Armee ist wirklich schlagkraeftig und setzt sich fuer den Frieden ein (lassen wir den Irak mal beiseite, OK?). Wie auch immer, danach ab zum Konzert und Feuerwerk beim Eiffelturm. Auch dieses Jahr einfach einzigartig, ein gelungener Anlass von A-Z. Hier moechte ich mich mal verloben mit meiner Zukuenftigen, es ist so schoen. Wenn das Feuerwerk hochgeht und wir die Ringe tauschen koennten … Aaahhh, glueckselige Traeume.

Dienstags dann zuerst mal festgestellt, dass meine ehemalige Sprachschule geschlossen hat. Danach kurz die Bank gecheckt, ich liege voll im Budget. Ich versuche zum ersten Mal, mir ein Fahrrad von vlib zu mieten. Ueberall in Paris sind Stationen vorhanden, eine halbe Stunde ist gratis, bis dann muss mans wieder abgegeben haben. Es funktioniert total nicht, so kaufe ich am Nachmittag, nachdem ich ein neues Ticket erstanden hatte, noch einen Velohelm – den ich gerade in Chur brauchen kann. Am Nachmittag fahre ich damit durch die halbe City, es ist ech cool. An einer Velostation treffe ich eine aeusserst attraktive Frau, die mir weiterhilft beim Velo abgeben. Nachher gehen wir noch zusammen essen, voellig unkompliziert. Ich verliebe mich sofort in sie und habe seither oefter mit ihr Kontakt. Echt charmant! Es ist, als haetten wir uns schon jahrelang gekannt, echt bewundernswert. Ihr Freund ist ungluecklicherweise gerade abgehauen, so weiss ich nicht, ob sie fuer eine Beziehung schon bereit ist.

Am Mittwoch kurzer Besuch bei der freundlichen Dame und die Nationalbibliothek. Das Gebaeude ist echt eindruecklich mit vier extrem hohen Tuermen. Wirklich toll, schreibe Mails und Tagebuch. Am Abend bemerke ich jedoch, dass ich Halsschmerzen habe. Alle Apotheken sind zu, so hole ich mir Honig in der Kueche. Ich trete aus Versehen auf seine Matratze, er scheisst mich dermassen zusammen, dass ich am naechsten Tag das Hotel wechsle. Auch sonst war diese Jugi echt schrott, die Zimmer sind ein Alptraum und das Quartier ist schlichtweg lebensgefaehrlich. Der Nachtwaechter ist echt irre, einmal liess er mich in der ersten Nacht 10 Minuten warten. Leute, eins kann ich euch sagen: Ich habe auch mal in einem Hotel gearbeitet und weiss, wie Nachtwache zu funktionieren hat: Derjenige sitzt da, liest was und ist aber wach. Wenn man schon nicht wach ist sollte man, auch wenn man am Kunden was rumzumeckern hat, dies anstaendig erledigen. Ich weiss, dass es mein Fehler war mit der Matratze, doch ich hatte mich entschuldigt und er schimpfte weiter wie ein Rohrspatz, bis ich ihn entnervt fragte, was ich denn fuer ihn tun koenne. Er meinte nur nichts, ich solle jetzt zu Bett gehen. Ich habe mich nun in ein neues Hotel eingemietet mit tollem Breakfast und Dusche im Zimmer in einem tollen Quartier, cool!! However, muss jetzt schluss machen, sonst laeuft mir hier die Zeit davon. Bis auf bald dann wieder.


Hektisches London

Juli 12, 2008

Nach Bath nun also London. Eine aeusserst aufregende und spannende Zeit.

Mit dem Zug fahre ich nach London. Es regnet in Stroemen, so wie es nur in England regnen kann! Auf Hoehe Swindon dann die erheiternde Durchsage, dass die Schienen vor uns ueberschwemmt sind. Von meiner letztjaehringen Reise nach Oxford weiss ich, was dies heissen kann. Im Kopf gehe ich bereits das ganze Katastrophenszenario durch – Hotel umbuchen auf eine Jugi in Swindon, etc. Angekommen in London suche ich zuerst eine Weile die Jugi, zum Glueck ist mir eine Verkehrspolizistin sehr behilflich. Im Clink-Hostel dann der grosse Schreck: Ich bin einen Tag zu frueh angekommen, respektive habe nicht richtig gebucht. Mit Glueck ist noch ein Bett frei! Diese Jugi ist echt was besonderes! Ein ehemaliges Gerichtsgebaeude, jetzt umfunktioniert. Momentan sitze ich gerade im ehemaligen Gerichtssaal am Richtertisch und schreibe hier, evtl. chille ich nachher noch im TV-Gerichtsraum. Kueche (gratis all-you-can-eat-breakfast), toller Schlafsaal (10 Personen, davon ein dunkelhaeutiger, der schnarcht …), generell aber wirklich gut – sehr gut!

Am Donnerstag dann zuerst Harrods-Kaufhaus. Ich werde noch verrueckt!! Das ganze Kaufhaus ist so auf edel gemacht. Je weiter hoch ins Kaufhaus ich gehe, desto mehr erschrecke ich! CD- und DVD-Abteilung mit rund 100 – 200 Discs ist ja schon mal gestoert. Am Schlimmsten jedoch die Kinderabteilung. Leute, die haben fuer Kinder einen Coiffeur, drei Restaurants (Kindergerecht mit kleinen Stuehlchen) und eine riesige Spielzeugabteilung. Das ist wirklich nicht mehr normal, von einem Ende der Spielzeugreviers kann ich nicht mehr ans Andere sehen. Ich glaube, als Kind wuerde ich hier einen Knacks kriegen. Aber auch viel positives, so etwa sehe ich meine ersten Schuluniformen und kaufe diverse Sachen ein, u.a. eine wirklich billige und gutgebaute Butterdose fuer Chur.

Am Freitag erkunde ich den Einstiegsort fuer den Eurostar. Ein Riesenglueck! Ich erfahre, dass dieser naemlich nicht mehr in der Waterloo-Station, sondern in St. Pancras International. Die beiden Punkte liegen voellig an verschiedenen Orten in London, waere mir dies morgen geschehen, ich haette den Zug garantiert sicher verpasst!! Der neue Check-In-Point ist fuer mich aber sehr positiv, so muss ich nur 15 Minuten marschieren. So wie ich mich und London kenne, rechne ich mit dem Check-In aber lieber eine Stunde ein. Am Nachmittag eine mega-coole Stadtfuehrung mit Sandemans newLondon-tours. Der Guide macht es wirklich genial, ich erfahre viel mehr als je zuvor.

Heute besuchte ich meine ehemalige Landlady hier in Tunbridge Wells. Zunaechst einmal verpasste ich den Zug zu ihr, weil die naheliegende U-Bahnstation geschlossen war. Dies war jedoch nicht gar so schlimm, es wurde abends einfach ein wenig spaeter … Wir fuhren zusammen nach Paenshurst, wo wir einen herrlichen Creamtea tranken. Meine Landlady haelt mir einen recht grossen Vortrag zu illegalen Auslaendern, den diversen Gesellschaftsschichten hier in England und zur Sicherheitslage in London allgemein. Ihrer Meinung nach sollten die Imigranten schon an der Grenze gestoppt und die hier lebenden allesamt in ein Boot verfrachtet und zurueckverschifft werden – hier insbesondere die (stinkenden!!) dunkelhaeutigen Landsmitglieder. Ich halte mich politisch gesehen zurueck im Blog, das habe ich mir geschworen, nur so viel: Seit ich an der HTW Chur Info-Wissenschaften studiere, bin ich an „einfachen“ Loesungen schlichtweg nicht mehr interessiert. Wer mehr erfahren will, quatsche mich mal am Stammtisch aus.

Schon bald ist mein London-Aufenthalt zu Ende. Doch noch kurz ein paar Worte zu meinem Ausgehverhalten. Am Freitag las ich, dass in London innert 48 Stunden 4 Jugendliche erstochen worden waren. Meine Landlady riet mir ab, in London auszugehen, sobald es dunkel ist. Ich befolge ihren Rat bis zum heutigen Abend, denn ich denke, gerade als Auslaender, muss man das Risiko nicht unnoetig herausfordern. Warum ist aber gerade dann die Stadt so herrlich und verlockend, wenn man sich bitterlichst vorgenommen hat, nicht mehr rauszugehen …? Ich denke aber, dass ich nicht mehr weich werde. Ihr werdet sicher naechste Woche wieder lesen, wie es bei mir weiterging … Bis dann und good night.


Bath und sein (regnerisches) Wetter

Juli 9, 2008

Nun bin ich also tatsaechlich im Land des Regens und der seltsamen PC-Tastaturen ohne ae, oe und ue-Moeglichkeiten angekommen. Mein Zehnfingersystem vom KV kann ich hier glattweg in den Abfalleimer werfen. Doch mal alles von vorne.

Sonntags bin ich, wie ihr wisst, nach London abgeflogen. Alles lief wie am Schnuerchen: Schneller Check-In, Abflug (Muede wie nur etwas, weil ich vor Aufregung fast nichts geschlafen hatte …) und das nachgelieferte Gepaeck – alles stimmte! Dank an dieser Stelle Swiss, die Fluggesellschaft, die ich hier nur weiterempfehlen kann – im Gegensatz zu British Airways. Sonntags angekommen, absolvierte ich zuerst mal eine Gratis-Stadtfuehrung. Wirklich toll! Ein aelterer Mann erklaerte uns die gesamte Stadt, echt toll.

Montags dann das Bad von Roman Bath erkundet, es ist fast so toll wie das Heilbad zu Scuol GR – und das will schon was heissen! Danach ein herrlicher Creamtea im Pumproom von Bath. Das Ambiente ist schlichtweg umwerfend, eine wirklich mega-tolle, englisch gepraegte Stimmung. Ich liebe die englische Teetradition!! Danach der Besuch in der local Library hier in Bath. Ihr wisst, ich studiere dies, so moechte ich dieser aussergewoehnlichen Bibliothek ein paar Zeilen widmen – wen es nicht interessiert, kann ja ueberspringen.

Als Erstes faellt die Werbung der Bibliothek auf, die viel offensiver ist als in der Schweiz. Doch nicht nur Plakate am Eingang, auch die gesponserten Anlaesse sind auffaellig. In der Schweiz wuerden die Leute aufschreien (waaas, mit Steuergeldern?!), doch hier in England ist dies vollkommen legitim. Der British Library Act garantiert nicht nur eine Gemeindebibliothek, die dem County angeschlossen wird, sondern auch der Gratiszugang fuer alle Einwohner! Die Leute sin vollkommen frei, die Bibli wird auch entsprechend gehalten (Sofortzugang zu den Medien bei der Tuere, etc.). Wirklich vom Volk fuer das Volk!! Die Geschichte ist auch ausserordentlich. Zu Beginn herrschte ein veritabler Streit um die Eroeffnung wegen der Gebuehren, erst 1910 (bitte behaftet mich nicht auf dieser Zahl, auf jeden Fall ziemlich spaet) konnte sie dann eroeffnet werden. Eine Studentin hatte einen ausserordentlichen Bericht darueber geschrieben. Natuerlich sprach ich auch noch kurz mit der Bibliothekarin. Glaubt ihr es oder nicht, aber sie kannte nicht einmal die Geschichte vom Sputnik-Schock – der eigentlichen Initialzuendung fuer die Informationswissenschaft. Die Gemeindebibliotheken benutzen offenbar auch nicht die English-Classification der Nationallibrary of London, sondern die DDC. Dies war wirklich aeusserst interessant.

Dienstags dann mal eine kurze Regenpause, ich kann im Park beim Circus ein Arbeitslosenheftli studieren. Ich konnte dem armen Kerl einfach nicht mehr widerstehen, der es mir anbot. Man kann ja nicht immer einen auf Asozial machen, ihr versteht … Danach das Mittagessen in einem tollen Pub, ein Student der Theologie versucht freudig, mich mit English-Beer abzufuellen, ich kann nur knapp „fluechten“. Danach fahre ich mit Mad Max Tours nach Lacock und Stonehange. In Lacock besichtige ich Harry Potters ehemaliges Haus (1. Film), wirklich ein herziges Haeuschen. Doch auch sonst ist Lacock einzigartig, wir hatten jedoch nur wenig Zeit. Das alte Staedtchen hat jedoch einen gewissen Charm, dem sich keiner entziehen kann. Hernach Stonehange, ebenfalls super. Endlich kriege ich alles verstaendlich erklaert – oder verstehe ich es nur besser als frueher? Auf jeden Fall echt schoen!

Am Abend dann ein wirklich exklusives Nachtessen im Pumproom. Es war fantastisch, sage ich euch! Der Raum mit seiner typisch englisch-modernen Ausstattung, der Klavierspieler, der extra-klasse war und natuerlich das Essen selbst! Leute, schon lange nicht mehr so gut, so geschmackvoll und (leider auch) so teuer gegessen wie an diesem Abend. Ich konnte naemlich das Bestehen der „schlimmsten“ Faecher feiern, DBS und FUO (beide Note 4.5). Danach ein toller Flussspaziergang, wenn nur das Wetter mal besser wuerde.

Heute Check-Out in der Jugi, dieser Bericht und das Budget mit dem Postkonto ueberpruefen. Es stimmt alles, es ist noch genuegend Geld fuer London und fuer Notfaelle vorhanden … Jetzt dann bald Abfahrt nach London, was mich wohl dort erwarten wird? Ich weiss nichts, ausser dass ich am Samstag mit meiner Ex-Landlady abgemacht habe. Was wohl sein wird …? Ihr werdet es sicher erfahren. Ich muss jetzt Schluss machen, sonst schaltet mir der PC ab. Goodbye.